Trachtenverein Oberstdorf

 

Gebirgstrachten- und Heimatschutzverein Oberstdorf e.V.

 

Wie seit vielen Jahrzehnten sind 1846 die Oberstdorfer dabei wieder Theater zu spielen. Das „Älplerleben" steht auf dem Programm. Doch der neue Pfarrherr Johann Nepomuk Stützle ist ein Gegner des Theaters.

Die unsere Theatergruppe des Gebirgstrachtenvereins spielte 2014 wieder ein Mundartstück aus der Feder von Eugen Thomma:

Ganz einfach beginnt alles.
Wie seit vielen Jahrzehnten sind 1846 die Oberstdorfer dabei wieder Theater zu spielen. Das „Älplerleben" steht auf dem Programm. Doch der neue Pfarrherr Johann Nepomuk Stützle ist ein Gegner des Theaters. Als alle seine Donnerwetter von der Kanzel nicht zum Erfolg führen, greift „dr Hearr" tief in die Tasche, kauft den Theaterstadl auf, läßt ihn abbrechen und setzt die Mimen auf die Straße. Freunde hat der Geistliche sich damit nicht geschaffen.

Pfarrer Stützle, der sich sehr für Land und Leute interessierte, beschreibt mit seinem topographisch-historischen Büchlein „Die kath. Pfarrei Oberstdorf im königl. Landgerichte Sonthofen, oder die Schweiz im Kleinen", hervorragend das dörfliche Leben zur Mitte des 19. Jahrhunderts.
Seine Aufzeichnungen über das Alpleben, insbesondere die dort erzeugten Butter- und Käsemengen, sollen sich aber gar nicht mit den Angaben der Bauern beim kgl. Rentamt (heute Finanzamt) decken. Ob die Steuererhöhungen damit im Zusammenhang stehen?
Die politischen Unruhewellen jener Zeit haben auch das „oberste Dorf" erreicht. „Märzvereine", eine liberale Partei, entstehen und haben solchen Zulauf, daß sie 1848 im Allgäu gegen die Konservativen die Wahlen gewinnen. Der Pfarrer und der Dorfarzt sind in Oberstdorf die politischen Kontrahenten. Es kommt sogar zu einem Eklat in der Kirche. Was nun berechtigt oder unberechtigt auf des Pfarrers Schultern abgeladen wird, können wir nicht klären. Seine Gegner stellen ihm nachts „als zarten Wink"einen Reisekorb und einen Wanderstab vor die Pfarrhaustür. Dem nicht genug, es fällt auch ein Büchsenschuß......
Unter dem Druck des selbstherrlich agierenden Landrichters hat der Gemeindevorsteher, der auch seinen Dorfgenossen gerecht werden will, kein leichtes Amt. Die Rechtlosigkeit der Frauen, das Eheverbot für das Gesinde, die soziale Situation des „kleinen Mannes", vermischt mit Dorftrascht bringen die resolute Hebamme, der polternde „Bevollmächige", der tratschsüchtige Bader, der pfiffige Nachtwächter, oder die Zigeunerin mit ihrer Kinderschar und all die andern Mimen gekonnt auf die Bühne, so daß es genügend Gelegenheit zum Schmunzeln gibt.
Ein Stück Dorfgeschichte und Unterhalttung in der „Müettrschproch".